Nicotin
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Nikotin (S)-3-(1-Methyl-2-pyrrolidin)pyridin C10H14N2, MG 162,23 g/mol

Nikotin ist der Wirkstoff des Tabaks, eines Nachtschattengewächses der Gattung Nicotiana. Er wächst vor allem in West-Amerika oder im subtropischen Ost-Asien. Das Alkaloid Nikotin befindet sich in den Blättern, die nach der Ernte getrocknet und fermentiert werden. Tabak wird in Pfeifen, als Zigarren oder Zigaretten geraucht und stellt ein gebräuchliches legales Genußmittel dar. Nikotin ist ein starkes Gift, das oral aufgenommen in einer Dosierung von 50-100 mg tötlich wirkt.

Physiologische Wirkung

Physiologisch gelangt das in Tabakrauch enthaltene Nikotin in ca. sieben Sekunden über die Lunge ins Gehirn und dockt in den "nicotinischen Acetylcholinrezeptoren" an. Die daraus resultierende Ausschüttung von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin hinterläßt Spuren im "Belohnungssystem" und führt sehr schnell zur körperlichen und psychischen Nikotinabhängigkeit. Wegen seines raschen Metabolismus fällt die Nikotinkonzentration im Gehirn schnell ab. Bereits 30-40 Minuten nach der letzen Aufnahme kommt es bei starken Rauchern zum erneuten Verlangen.

Psychische Wirkung

Die psychische Wirkung besteht in gleichzeitiger Anregung und Beruhigung, dh. einerseits wird durch die anregende Wirkung subjektiv eine größere Wachheit und höhere Konzentrationsfähigkeit empfunden, andererseits wird Stress gedämpft. Die Gefahr der psychischen Abhängigkeit ist dadurch sehr hoch, mit etwa einem Drittel abhängiger Raucher höher als beim Alkohol, von dem etwa acht Prozent der Alkoholkonsumenten abhängig werden.

Körperliche Schäden

Körperliche Schäden werden sowohl durch das Nikotin selbst, als auch durch den beim Rauchen freigesetzten Teer hervorgerufen. So kommt es durch hohe CO-Konzentration im Blut (gebunden als CO-Hb) zum Sauerstoffmangel für das Herz und Gehirn, zu Herz-Kreislaufschwäche, Gefäßverengungen im Herzen, die By-Pass Operationen erfordern können, sowie letztlich zum Herzinfarkt. Gefäßverengungen in den Extremitäten können zum sog. "Raucherbein" bis hin zur Notwendigkeit einer Amputation führen. Außerdem wurden in den letzten Jahren Zusammenhänge zwischen regelmäßigem Nikotinkonsum und Lungenkrebs festgestellt. Kontroverse Diskussionen bestehen noch über die Gefährlichkeit des "Passiv-Rauchens".

Das WHO Lexikon für Drogen und Alkohol definiert "Passivrauchen" das als die "unfreiwillige Einatmung des Rauches, normalerweise Tabakrauch, vom Rauchen durch eine anderen Person." Geprägt wurde der Begriff in den siebziger Jahren in Zusammenhang mit Studien der Effekte solcher Einatmung, wobei die Aufmerksamkeit auf die schädlichen Effekte des Rauchens auf Personen im Umkreis des Rauchers, inbesondere Kinder, gelenkt wurde.

Abhängigkeit und Entzug

Nikotinabhängigkeit (F17.2) wird als Tabakgebrauchsstörung unter den psychoactive Substanzgebrauchsstörungen in ICD-10 klassifiziert.

Physisch abhängige Raucher entwickeln ein Verlangen ("engl: craving") innerhalb einiger Stunden der letzten Dosisbei erhöhter Reizbarkeit, Angst, Zorn, mangelnder Konzentration, erhöhten Appetit, verringerten Puls und manchmal Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Fortgesetzer Tabakkonsum kann zu Lungenflügel-, Kopf- oder Halskrebse, Herzkrankheit, chronische Bronchitis, Emphyseme und andere körperliche Störungen führen.

Nur etwa 5 % der Raucher schafft es aus eigenem Antrieb, länger als 1 Jahr nikotinfrei zu bleiben. Zur Erleichterung der Entwöhnung können nikotinhaltige Präparate wie Nicorette®, Nicotinell® oder Nikofrenon® verwendet werden, die die Entzugssymptomatik langsam reduzieren. Als Medikament zum Entzug ist Zyban ® (Wirkstoff: Amfebutamon = Bupropion) als Retardtablette im Handel, das allerdings Nebenwirkungen, insbesondere Krampfanfälle, zeigt.

Analytik

Nikotin und sein Hauptmetabolit Cotinin (1-Methyl-5-(3-pyridinyl)-2-pyrrolidinon) können mittels GC oder GC/MS quantifiziert werden. Die Cotinin-Bestimmung ist auch über ELISA Tests möglich. Während bei Rauchern Cotininspiegel oberhalb von 1000 ng/ml Blut resultieren können, werden bei Passiv-Rauchern je nach Stärke der Exposition lediglich 2 bis 50 ng/ml gefunden.

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Letztes Update dieser Seite: 22.03.2012 - IMPRESSUM - FAQ