Lösungsmittel
 
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Lösungsmittel sind in der Industrie oder im Haushalt verwendete flüssige organische Verbindungen, wie

  • Benzin (Gemisch niedrigsiedender aliphatischer Kohlenwasserstoffe, u.U. mit gesundheitsschädlichen Beimengungen, auch in Form von verflüssigten Gasen [Propan, Butan] aus Feuerzeug-Nachfülldosen)
  • Toluol und andere aromatische Kohlenwasserstoffe
  • Chloroform oder andere halogenierte Kohlenwasserstoffe
  • Gemische industrieller Lösungsmittel mit teils wechselnder Zusammensetzung (Pattex®, Nitroverdünner, Amylnitrit (Poppers)
  • Diethylether, wobei hier der Übergang zur narkotischen Wirkung schwer steuerbar ist.

Lösungsmittel wurden in den 50er Jahren bereits in den USA und Skandinavien von Jugendlichen geschnüffelt (Scene-Begriff: sniffen). Sie wurden entweder auf Taschentücher geträufelt und vor die Nase gehalten oder in Plastiktüten geschüttet, die über den Kopf gezogen wurden. Dabei kommt es zu der besonderen Gefahr einer raschen Betäubung und tödlichen Vergiftung bzw. zur Erstickungsgefahr durch Sauerstoffmangel.

Pharmakologische Wirkung

Die pharmakologische Wirkung besteht in einer Lähmung des Zentralnervensystems (Bewußtlosigkeit) und Schmerzunempfindlichkeit (Narkose). Im letzten Stadium der Paralyse (Schmidbauer,v.Scheidt, 1989) kann es zur Atemlähmung und zu Kreislaufstörungen mit tödlichem Ausgang kommen.

Psychische Wirkung

Die angestrebten psychischen Wirkungen sind eine leichte Bewußtseinstrübung, eine "euphorisch getönte Dösigkeit", das Abschalten von Alltagsproblemen und die "träumerische Verwirklichung eigener Phantasiegestalten", z.B. "Superman" zu sein.

Schuster,E. und Waldmann,H. unterscheiden vier Stadien der Wirkungen von Lösungsmitteln:

  • Übelkeit, Wadenschmerzen und Kopfdruck
  • gesteigerte Empfänglichkeit für äußere Reize, Wohlbehagen und Gefühl der Schwerelosigkeit ähnlich dem Alkoholrausch
  • oberflächlicher Schlaf mit Tagträumen
  • Bewußtlosigkeit

Gefahren

  • Bei chronischem Gebrauch von Chloroform kann es zu Leberschäden, zentralnervösen Abbauerscheinungen durch kurzzeitigen Sauerstoffmangel im Gehirn und bei Überdosierungen zur Atemlähmung kommen.
  • Trichlorethylen-Mißbrauch kann zu Nervenentzündungen,Polyneuropathien, Trigeminusneuralgien und Herzschäden führen.
  • Regelmäßiges Einatmen von Toluol-Dämpfen kann bei Jugendlichen zu mehrtägigen Delirien (ähnlich dem "Delirium tremens" beim Alkohol) führen.
  • Bei langjährigen Konsumenten von Lösungsmitteln wurden auch Gehirnschäden mit Gedächtnis- und Antriebsausfällen beobachtet.

Gefahren gehen auch von Lösungsmitteln aus, die selbst keine berauschende Wirkung besitzen, jedoch zur Extraktgewinnung von Naturdrogen verwendet und nicht vollständig entfernt werden. So sind beispielsweise Acetonrückstände für Leberschädigungen verantwortlich.

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Letztes Update dieser Seite: 24.02.2012 - IMPRESSUM - FAQ